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Hausarchitekten
   

 

 

LBS Steiermark

 

 

 

 

offener, einstufiger,anonymer Architekturwettbewerb für den Neubau eines Internats für Mädchen

in Zusammenarbeit mit Marko Kreyßig

Bad Gleichenberg, Steiermark; März 2004

 

Lage
In unmittelbarer Nähe zum Gebäudebestand erfolgt die Setzung des Mädcheninternates, in Höhe des südlichen Treppenhauses der Schule, auf die Süd- West- Ecke des Planungsgrundstücks. Die Stellung des Neubaus ermöglicht einerseits die Bildung eines gefaßten Platzes inmitten des  gesamten Gebäudeensembles, andererseits wird der solitäre Charakter hervorgehoben, ohne mit dem Bestand zu konkurrieren. Weiterhin gewährleistet die  Situierung eine größtmögliche Freiheit für eine spätere Nutzung der Restflächen des Grundstückes. Der kompakte Baukörper fügt sich mit seinem Volumen in die Umgebung ein und richtet sich in seiner Höhe und Ausdehnung nach der vorhandenen Bebauung.

Der Verbindungsgang vom Internat zur bestehenden Schule führt unter dem neu gestalteten Platz in deren südlichen Erdgeschoßeingang. Diese direkte und witterungsgeschützte Anbindung unterstützt die Freistellung des Gebäudes, gewährleistet die uneingeschränkte Erschließung des umliegenden Areals und reduziert die baulichen Eingriffe im Bestand auf ein Minimum.

Gebäudeform
Die geschlossene, kubische Form des Internates wird durch Einschnitte aufgebrochen. Diese bilden eine zusammenhängende Dachterrasse und gliedern die beiden Obergeschosse in drei, nach außen ablesbare Bereiche. Das Erdgeschoss wird durch den mittig in der Westfassade liegenden  Eingang und die sich durch die in den nördlichen Außenraum öffnende Aula strukturiert. Ein um das gesamte Gebäude laufendes Band, bestehend aus vertikalen geschlossenen und zurückgesetzten transparenten Wandelementen, faßt den Körper zu einem einheitlichen Volumen zusammen.

Gebäudeorganisation
Die funktionale Aufteilung erfolgt als klare Trennung in private (Wohneinheiten) und halböffentliche Bereiche. Alle gemeinschaftlich genutzten Flächen befinden sich im Erdgeschoss, vom Eingang ausgehend, nach dem Grad ihrer Öffentlichkeit gestaffelt. Die Obergeschosse sind den Wohneinheiten vorbehalten und durch die Einschnitte in das Gebäudevolumen in geschlossene Gruppen geteilt. Jede Gruppe wird von einer eigenen Treppe, die in den jeweiligen Aufenthaltsbereich mündet, erschlossen. Lufträume und Treppen zwischen den Obergeschossen verbinden diese sowohl visuell, als auch räumlich und schaffen einen übersichtlichen, ruhigen und privaten Wohnraum.
Die barrierefrei zu erreichende Krankenstation befindet sich in einem separierten Teil der Wohngruppe II. Trotz ihrer ruhigen und von der restlichen Gruppe getrennten Lage ist die Betreuung durch eine gemeinsame Aufsichtperson möglich.

Wohngruppen
Alle Wohneinheiten besitzen einen eingeschnittene Eingansnische und sind in einen Vorraum mit Garderobe, Bad, WC und Schränken, sowie das eigentliche Zimmer gegliedert. Jeweils 50% der Fassadenfläche einer Wohneinheit ist verglast und mit mindestens zwei, teilweise raumhohen Öffnungsflügeln ausgestattet.
Die Einrichtung der 2- Bett- Zimmer besteht aus an den Längswänden angeordneten Einbaumöbeln. Beginnend mit einem, auch als Sichtschutz für die Schlafende fungierenden Regal, über Ablage und Bett faltet sich das Möbel, bis es mit dem Tisch abschließt.
In den 3-Bett-Zimmern werden Lernen und Schlafen stark voneinander getrennt. Mannshohe Kojen beherbergen je ein Bett mit Ablage und Regal. Zwei dieser Kojen bilden einen eigenen kleinen Schlafraum, die dritte Schlafstelle wendet sich der Fassade zu. Bei einer 2er Belegung des Zimmers findet dieses Bett als Sofa Verwendung und schafft so eine großzügige kommunikative Sitzecke. Eine lange, an die Wand montierte Tischplatte dient als Schreibtisch für zwei bzw. drei Personen. Die gesamte Wohneinheit ist derart konzipiert, daß sie für jede Belegungsform nutzbar ist, ohne überflüssige und daher störende Möbel zu enthalten oder auf Zustellbett etc zurückgreifen zu müssen.
Auch die im Erdgeschoß liegenden Gruppenaufenthaltsräume sind so gestaltet, daß sie eine unterschiedlichste Anzahl von Personen aufnehmen. Geschwungene, fließende Einbaumöbel gliedern den Raum, bilden Zonen und lassen ihn dennoch als Einheit wahrnehmen. Der Fernsehraum ist großzügig mit einer organisch geformten Sitzlandschaft eingerichtet, nur die wenigen ovalen Tischmöbel können bewegt werden. Große Doppelflügeltüren verbinden das TV- Zimmer mit der Teeküche. Diese enthält außer der Küchenzeile einen eingebauten Internet- Arbeitsplatz. Die aus Tischen, Stühlen und Hockern bestehenden Sitzgruppen sind frei beweglich. Glassegmente in den Flurwänden geben Ein- und Durchblicke innerhalb des Gebäudes.

Fassadenstruktur
Ein Wechsel von transparenten und geschlossenen vertikalen Bändern umfaßt das gesamte Gebäude. Die von der Nutzung bestimmte Abfolge ist äußerst flexibel und wird, verstärkt durch die Einschnitte in den Obergeschossen, zu einem eigenständigen Rhythmus. Eine besondere Betonung erhalten Eingang und Aula. Der Eingang drückt sich tief in den Baukörper, während sich die Aula durch die Fassade schiebt und in eine große Terrasse mündet.

Material und Farbe
Die geschlossenen Flächen der Fassade sind mit Keramikfliesen in einem dunklen braunroten Farbton bekleidet. Diese witterungs-beständige und wartungsarme Schicht hebt das Gebäude durch ihre matt glänzende und in der Sonne funkelnde Oberfläche von der Umgebung ab, ohne mit ihr zu konkurrieren.
Im Inneren des Internats herrschen ebenfalls schlichte und robuste Materialien vor, die einerseits einer starken Beanspruchung standhalten, andererseits einen hohen ästhetischen und haptischen Wert haben. Die Fußböden im Erdgeschoß bestehen in den öffentlich zugänglichen Bereichen aus hellgrau eingefärbtem Zement. Die Gruppenaufenthaltsbereiche werden mit dunkelbraunem Linoleum belegt und die abgesenkte Aula erhält einen Schiffsboden, ebenfalls dunkelbraun. In den Wohnbereichen setzt sich der Linoleumbelag bis in die Vorräume der Zimmer fort, um dort von wieder hellgrauem Teppichboden abgelöst zu werden.
Alle Wände und Decken sind verputzt und weiß gestrichen. Einzelne Farbfelder sowie z.B. die Bezüge der Sitzlandschaften in kräftigen, monochromen Tönen setzen klare Akzente.

 

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